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Covid-19 und die Stornierung der Flugbuchung

Von 9. April 2020April 28th, 2020Keine Kommentare

Covid-19 und die Stornierung der Flugbuchung

Mit der Corona-Krise ist die Reisebranche zum Erliegen gekommen. Aber was heißt das genau für den Reisenden? Kann die Flugbuchung storniert werden und muss der Reisende einen Gutschein akzeptieren?

Flüge werden in der Zeit von COVID-19 annulliert, weil entweder die aktuellen Einreisebestimmungen die Durchführung eines Fluges nicht zulassen oder aber der Flug aus Sicherheitsgründen abgesagt werden muss oder zu Guter Letzt eine hinreichende Auslastung bei der Durchführung des Fluges nicht mehr zu erreichen ist. Für den Passagier beginnt nun der Kampf um die Rückerstattung des bereits verauslagten Flugpreises.

Die gesetzliche Lage

Hat der Passagier einen Flug gebucht, der mit keiner anderen Reiseleistung verbunden ist, so hat er einen Luftbeförderungsvertrag geschlossen. Der Vertragspartner des Passagiers ist immer die Fluggesellschaft selbst, egal ob der Vertrag bei einem Reisevermittler, Online-Portal oder der Fluggesellschaft selbst geschlossen wurde.

Der Luftbeförderungsvertrag ist ein Werkvertrag. Demnach hat der Passagier einen Anspruch auf Erstattung des Flugpreises bei Annullierung des Fluges. Dieser Anspruch ergibt sich auch aus der europäischen Fluggastrechteverordnung EG 261/2004.

Unsere Empfehlung:

Die Erstattung von Flugtickets ist aktuell schwierig, zumal viele Fluggesellschaften versuchen, Ihre Liquidität zu erhalten, indem sie Zahlungen vermeiden.

Muss ich mich an die Fluggesellschaft oder die Buchungsplattform wenden?

An erster Stelle ist zu empfehlen, die Abwicklung der Rückerstattung ausschließlich mit der Fluggesellschaft vorzunehmen. Diese ist der Vertragspartner des Passagiers und damit auch Anspruchsgegner der Rückforderung. Weiterhin haben die meisten Buchungsplattformen gesonderte Gebühren in ihren AGB vorgesehen, sofern sie mit der Rückabwicklung des Vertrages „beauftragt“ werden.

Muss ich eine Gutschrift akzeptieren?

Der Anspruch auf Rückzahlung des Flugpreises ist sofort fällig mit der Aufforderung zur Erstattung. Einen Gutschein an Stelle der Rückzahlung kann die Fluggesellschaft zwar anbieten, annehmen muss der Passagier diesen jedoch nicht.

Problemtisch bei der Annahme von einer Gutschrift der Fluggesellschaft ist die fehlende Insolvenzsicherung bei Flugbuchungen. Im Gegensatz zum Pauschalreiseveranstalter, der bei der Reisebuchung auch eine Absicherung der im Voraus erlangten Kundenzahlung bestätigen muss, sind Fluggesellschaften trotz allgemeinüblicher Praxis der Vorauskasse nicht dazu verpflichtet, die Kundengelder abzusichern und tun dies in der Regel auch nicht.

Kann ich die Kosten einer Ersatzflugbuchung geltend machen?

Daneben könnte der Flugreisende noch an Schadensersatzansprüche, insbesondere bei Ersatzbuchung denken. Ein Schadensersatzanspruch setzt nach nationalem Recht ein Verschulden voraus, dass in der aktuellen Lage nur schwer zu begründen sein dürfte. Eine Ausnahme dazu bildet aber die Ersatzflugbuchung sowie auch Betreuungsleistungen vor Ort am Flughafen, sofern der Reisende „gestrandet“ ist. Denn hier verpflichtet der Schutz der Fluggastrechteverordnung (EG-VO 261/2004) die Fluggesellschaft, dem Reisenden eine Ersatzbeförderung anzubieten und auch seine Versorgung am Flughafen sicherzustellen. Kommt die Fluggesellschaft dieser Verpflichtung nicht nach und bucht der Reisende stattdessen einen Ersatzflug selbst, so kann er diese Kosten zurückverlangen. Die Verordnung ist allerdings nur auf Flüge von europäischen Fluggesellschaften oder auf Flüge von Drittstaatenairlines aus dem Gebiet der EU heraus anwendbar.

Unsere rechtliche Unterstützung

Die Erstattungspraxis war bereits vor Beginn der COVID-19 in ihrer Handhabung der Fluggesellschaften recht unterschiedlich. Einige Fluggesellschaften bieten ein Erstattungstool auf ihrer Homepage, wieder andere erstatten ungefragt auf die bei Buchung verwendete Kreditkarte, zum Teil erfolgt eine Zahlung nur nach hartnäckiger Aufforderung. Eine Praxis hin zum Angebot von Gutscheinen statt Erstattung mag sich ähnlich wie in der gesamten Reisebranche auch hier gerade etablieren.

Disclaimer:

Bei den oben angeführten Darlegungen handelt es sich um eine kurze Zusammenfassung der aktuellen Gesetzeslage in Österreich, ohne Anspruch auf Richtigkeit oder Vollständigkeit. Eine anwaltliche Beratung kann durch diesen Artikel nicht ersetzt werden. Entsprechend kann für den Inhalt dieses Artikels auch keine Haftung übernommen werden.

 

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Autorin des Artikels

Franziska Puschkarski 

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